Update: Pampers verhöhnt Kinder zum Internationalen Tag der Kinderrechte

Heute ist Internationaler Tag der Kinderrechte. Erschüttert und zutiefst geschockt bin ich heute auf eine Anleitung gestoßen, in der beschrieben wird, wie Kinder anhand von »Auszeiten« richtig bestraft werden. Es handelt sich dabei nicht um irgendeine Seite im Netz. Nein, diese Anleitung ist auf der Internetseite von Pampers zu finden. WTF? Pampers sollte doch zur Lobby der Kinder gehören und keine »wie-bestrafe-ich-meine-Kinder-Ratgeber« schreiben. Hallo? Geht’s noch? Was sich dort liest ist eine Anleitung aus längst überstandenen Zeiten. Dort heißt es zum Beispiel:

Seien Sie bei der Umsetzung von Regeln konsequent 
Während der Auszeit findet keinerlei Kommunikation zwischen dem Elternteil bzw. der Aufsichtsperson und dem Kindstatt [sic!]. Die Auszeit ist als eine abgeschwächte Form von Isolation zu verstehen. Damit bringen Sie zum Ausdruck: „Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“
https://www.pampers.de, abgerufen am 20. November 2016

„Keinerlei Kommunikation“ und „abgeschwächte Form von Isolation“? Für mich ist keine Kommunikation während der „Auszeit“ 100% Isolation. Es ist sogar noch schlimmer, denn das Kind weiß sogar, dass die Mutter oder der Vater hinter einem ist. Das ist Liebesentzug und gleichzusetzen mit psychischer Gewalt! Diese Methode stammt aus der Schwarzen Pädagogik, die zum Ziel hatte, Kinder zu brechen und gehorsam zu machen. „Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“ Also im Umkehrschluss bedeutet das dann, wenn du immer schön das machst, was man dir sagt, dann gehörst du dazu? Was ist das denn für eine Erziehung? Physische und psychische Gewalt dienten zur Machtausübung der Erwachsenen. Das hat nichts mit der Pädagogik zu tun, die auf Wertschätzung, Selbstbestimmtheit und Achtung baut. Es geht noch weiter:

Vergeben und vergessen.
Nach Ablauf der Zeit sagen Sie „Jetzt ist es vorbei“, umarmen Sie Ihr Kind und belassen Sie es dabei. Sprechen Sie den Vorfall nicht erneut an. Geben Sie dem Kind eine neue Beschäftigung, die eine positive Alternative zur verbotenen Aktivität darstellt.
https://www.pampers.de, abgerufen am 20. November 2016

Wie bitte? Der Deckmantel des Schweigens? Wie damals in der Kirche? Die christlichen Weltbilder, die auf diese Prinzipien aufbauen, sind doch längst überholt. Das Humanistische Menschenbild hat in die Kleinkindpädagogik Einzug gehalten. Diese Anleitung ist nicht nur ein Faustschlag gegen die Rechte von Kindern. Es ist überdies heuchlerisch, wenn man überlegt, dass Pampers und UNICEF kooperieren.

Nachtrag 21.11.2016: Es geht doch! Keine 24 Stunden nach einem gewaltigen Shitstorm in den sozialen Netzwerken hat Pampers den Artikel aus dem Netz genommen. Wer wissen will, was drin stand, es gibt einen Screenshot. Hier ein Bericht aus der WAZ.
Foto: Paul Keller, pampers, CC BY 2.0 DE

Ähnliche Beiträge

Equal Care Day 2017

Wir leben Equal Care! Zusammen mit unserer einjährigen Tochter wohnen wir in einer gemütlichen 60qm Wohnung in Krefeld. Schon bevor sie auf die Welt kam war uns klar, dass wir nicht das klassische Rollenmodell leben werden. Die ersten 14 Monate der Elternzeit haben wir daher gerecht aufgeteilt, um eine gute Beziehung zu unserer Tochter aufzubauen. Gleichzeitig sind wir Familienmenschen und setzen alles daran, dass wir auch in Zukunft die gemeinsame Qualitätszeit über die berufliche Karriere stellen.

Papa in Elternzeit und Mama im Job – Wie der Rollentausch uns geholfen hat, die Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse des Partners besser zu verstehen

Seit Juli ist meine Frau zurück im Job und ich bin als Hausmann bei den beiden Kindern. Wir haben die Rollen getauscht, denn zuvor war meine Frau anderthalb Jahre zu Hause und ich im Teilzeitjob. Dass wir in unseren neuen Rollen angekommen sind, merken wir vor allem an unserer Kommunikation. Mir sind Dinge viel wichtiger geworden, die zuvor meiner Frau wichtiger waren. Gleichzeitig haben wir ein tieferes Verständnis für den jeweils anderen.

Eigentlich bin ich glücklich, irgendwie aber nicht, trotzdem mache ich so weiter – Wie Glaubenssätze dein Leben bestimmen

Für viele Männer dreht sich das eigene Leben mit der Geburt der eigenen Kinder schlagartig um 180 Grad. Die körperliche und emotionale Nähe zur Partnerin geht dabei oft verloren oder reduzieren sich dramatisch. Deine Frau ist gereizt, du bist gestresst, das Baby weint ständig und hängt nur an der Brust. So hast du dir Vaterschaft nicht vorgestellt. Dabei möchtest du alles richtig machen. Stattdessen arbeitest du lange und schaffst es immer weniger, Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Vielleicht liegt das an deinen Glaubenssätzen, die deinen inneren Kompass beeinflussen.

Rückmeldungen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Seite ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.